Verhalten lässt sich trainieren. Muster muss man verstehen.
Psychodynamisches Coaching für Führungskräfte und Menschen in Entwicklung — auf Deutsch oder Englisch, in München-Schwabing. Kein Werkzeugkasten, keine Erfolgsformeln: sondern die Arbeit an dem, was sich wiederholt.
Zwei Wege, ein Rahmen
Führungskräfte-Coaching
Die meisten Führungsprobleme sind keine Wissensprobleme. Wer in Verantwortung steht, kennt die eigenen Muster meist längst — die Entscheidung, die wieder aufgeschoben wird, der Konflikt, der wieder eskaliert oder wieder vermieden wird, die Wirkung, die von der Absicht abweicht. Genau dort setzt psychodynamisches Coaching an: bei der Frage, wofür das Muster eine Lösung ist, und was es kostet. Einzelcoaching als Prozess von typischerweise sechs bis zehn Terminen, mit Auftragsklärung am Anfang und Bilanz am Ende.
Entwicklungscoaching
Nicht jede Entwicklungsfrage ist eine Krankheit — und nicht jede gehört in eine Psychotherapie. Berufliche Weichenstellungen, wiederkehrende Beziehungs- und Arbeitsmuster, die Frage, wie man eigentlich leben will: Dafür gibt es diesen Rahmen. Klar abgegrenzt von der Heilkunde, mit derselben Tiefe.
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Die neue Rolle
Vom Kollegen zur Vorgesetzten, vom Experten zur Führungskraft: Die Beförderung ist da — aber die alte Loyalität und das neue Mandat vertragen sich nicht.
Der wiederkehrende Konflikt
Mit wechselnden Beteiligten entsteht immer wieder dieselbe Spannung. Das ist der zuverlässigste Hinweis darauf, dass ein eigenes Muster mitspielt.
Die aufgeschobene Entscheidung
Alle Argumente liegen auf dem Tisch, entschieden wird trotzdem nicht. Die Frage ist dann nicht mehr, was zu entscheiden ist — sondern wovor die Entscheidung schützt.
Macht und Aggression
Durchsetzen fühlt sich falsch an, Nachgeben auch: Der Umgang mit der eigenen Härte ist ungeklärt — und das Team spürt es früher als man selbst.
Wirkung und Absicht
Das Feedback beschreibt jemanden, den man nicht zu kennen glaubt. Die Wirkung auf andere hat sich von der Absicht entkoppelt.
Die Sinnfrage in der Verantwortung
Die Karriere stimmt, die Zahlen stimmen — nur das Warum ist abhandengekommen. Eine Entwicklungsfrage, keine Krankheit.
Das Verständnis dahinter
Ich habe Philosophie und Psychologie studiert, bevor ich Psychoanalytiker wurde, und beide Fächer haben mir dieselbe Lektion beigebracht: Wir sind uns selbst nicht durchsichtig. Ein erheblicher Teil dessen, was wir entscheiden, vermeiden und wiederholen, folgt Motiven, die nicht im Zugriff liegen — im Führungsalltag genauso wie im übrigen Leben. Entwicklung heißt deshalb nicht, ein weiteres Verhaltensrepertoire zu erwerben. Sie heißt, in dem, was sichtbar ist, das Unsichtbare lesen zu lernen: die eigenen zentralen Motive, die blinden Flecken, die Differenz zwischen Absicht und Wirkung.
Zwei Überzeugungen aus meiner philosophischen Arbeit tragen dieses Coaching. Erstens: Sinn entsteht durch Verknüpfung — etwas wird sinnvoll, wenn es sich in das einfügt, worauf ein Leben hinauswill (Lampersberger 2013; 2022). Deshalb beginnt ernsthafte Entwicklung nicht bei den Zielen, sondern bei der Frage, welchem Entwurf sie dienen sollen. Zweitens: Authentizität ist weder reine Selbstfindung noch reine Selbsterfindung. Man findet sich nicht einfach vor, und man erfindet sich nicht beliebig — man formt sich in ergebnisoffenen praktischen Überlegungen zu der Frage, wie man wirklich leben und führen will (Lampersberger 2014). Genau diese Überlegungen bekommen im Coaching Raum und ein Gegenüber.
Und für Organisationen gilt, was für Personen gilt: Wo Rollen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten unklar werden, füllen Familiendynamiken das Vakuum — viel Aktivität, wenig Produktivität, die Energie fließt in die Abwehr statt in die Aufgabe. Gute Strukturen binden Angst, statt sie zu verschieben. Führung, die das versteht, muss weniger reparieren.
Konzepte, mit denen ich arbeite
Rolle und Person
Viele Führungsprobleme entstehen, wo Rolle und Person verwechselt werden: Kritik an der Rolle trifft dann den Menschen, und persönliche Bedürfnisse regieren die Amtsführung. Trennschärfe entlastet beide Seiten.
Übertragung
Niemand reagiert auf Autorität neutral — jeder bringt seine Beziehungsgeschichte mit ins Büro. Wer erkennt, welche Rolle ihm gerade zugeschoben wird (Retter, Rivale, strenge Mutter, ferner Vater), muss sie nicht mehr spielen.
Containment
Führung heißt, Spannung aufnehmen und verarbeiten zu können, statt sie ungefiltert weiterzureichen. Strukturen und Personen, die Angst binden statt verschieben, machen Teams arbeitsfähig.
Abwehr in Gruppen
Unter Druck kippen Teams von Arbeit in Selbstschutz: viel Aktivität, wenig Produktivität, die Energie fließt in die Abwehr. Wer die Muster kennt — Sündenbocksuche, Lagerbildung, Dauerkrise —, sieht früher, was wirklich geschieht.
Die Wiederholung
Was sich wiederholt, ist kein Zufall und kein Charakterfehler, sondern eine alte Lösung, die zu teuer geworden ist. Sie wird erst verhandelbar, wenn man versteht, wofür sie einmal gut war.
Gegenübertragung
Die eigene Reaktion auf ein Gegenüber ist ein Messinstrument: Was jemand in mir auslöst, sagt oft mehr über die Dynamik als jedes Organigramm. Im Coaching nutze ich genau das — methodisch, nicht intuitiv.
Vier Dimensionen
Selbstwahrnehmung
Sich selbst unvoreingenommen beobachten: Impulse, Affekte, Auslöser.
Selbsterkenntnis
Zentrale Motive und blinde Flecken verstehen; die eigene Wirkung mit der Absicht abgleichen.
Selbstführung
Affekte steuern statt agieren; die Haltung zu sich und anderen verändern.
Transfer
Das Verstandene in Führungsalltag und Entscheidungen übersetzen.
Diese vier Dimensionen stammen aus der wissenschaftlichen Evaluation eines Führungskräfte-Entwicklungsprogramms, die ich als Erstautor gemeinsam mit Prof. Horst Kächele an der International Psychoanalytic University Berlin durchgeführt habe.
Rahmen & Vertraulichkeit
Am Anfang steht ein kostenloses halbstündiges Vorgespräch: Passung klären, Auftrag schärfen — und ehrlich unterscheiden, ob Coaching der richtige Rahmen ist. Zeigt sich, dass eine Fragestellung Krankheitswert hat, sage ich das offen und verweise in Behandlung; Coaching ist keine Psychotherapie und ersetzt keine. Bei Firmenaufträgen gilt der Dreieckskontrakt: Der Auftraggeber erfährt, dass gearbeitet wird — niemals, woran. Coaching-Klienten und Patienten meiner Praxis bleiben strikt getrennte Welten.
Transparenz auch beim Vertrag: Das Vertragsmuster samt Widerrufsbelehrung und Dreiecksvereinbarung können Sie vorab einsehen — Coaching-Vertrag (PDF).
Qualifikation
- Psychologischer Psychotherapeut und Psychoanalytiker (DGPT) in eigener Praxis
- Wissenschaftliche Evaluation des Leadership-Programms LEUTUM — International Psychoanalytic University Berlin / Karl Schlecht Stiftung, gemeinsam mit Prof. Horst Kächele
- Arbeit am Institut für Philosophie und Leadership (Hochschule für Philosophie München)
- M.A. Philosophie zur Frage der Authentizität · M.A. Psychologie
Ausgewählte Publikationen
- Lampersberger, F. (2022). Der Sinn der Sinnfrage: Sprachphilosophische und psychoanalytische Zugänge. In G. Brüntrup & E. Frick (Hrsg.), Motivation, Sinn und Spiritual Care (S. 61–78). De Gruyter. DOI: 10.1515/9783110787153-005
- Lampersberger, F., Gottwald, J. & Kächele, H. (2018). Evaluation des Leadership-Programms LEUTUM. Forschungsbericht, International Psychoanalytic University Berlin / Karl Schlecht Stiftung.
- Lampersberger, F. (2014). Eine philosophische Untersuchung des Sinnbegriffs in Logotherapie und Existenzanalyse von Viktor Frankl. AV Akademikerverlag.
- Lampersberger, F. (2014). Authentizität: Zwischen Selbstfindung und Selbstformung. DOI: 10.13140/RG.2.1.3055.8484
- Alle Publikationen auf Couch & Agora →
Fünf Reflexionen zur Unterscheidung
I.Der Coach als Komplize des Über-Ichs
Die meisten Coaching-Angebote haben einen stillen Verbündeten: die innere Instanz, die dem Klienten ohnehin schon zusetzt. Psychoanalytisch heißt sie Über-Ich — die Stimme, die fordert, vergleicht und nie zufrieden ist. Wer zu mir kommt, hat in aller Regel längst optimiert: den Kalender, den Schlaf, die Kommunikation, sich selbst. Und wird von genau der Instanz, die all das verlangt hat, dafür bestraft, dass es noch immer nicht reicht.
Ein Coaching, das darauf mit noch mehr Disziplin, noch besseren Routinen und noch einem Mindset antwortet, verstärkt die Stimme, unter der der Klient leidet: Es macht den inneren Antreiber zum Auftraggeber. Der Klient fühlt sich kurzfristig besser, weil er wieder gehorcht — und steht nach einem halben Jahr erschöpfter da als zuvor, nun mit dem zusätzlichen Beweis, dass nicht einmal Coaching hilft.
Die eigentliche Arbeit beginnt eine Ebene tiefer: bei der Frage, wem da eigentlich genügt werden soll, seit wann — und was geschieht, wenn man es einmal nicht tut. Das klingt nach weniger Effizienz. Es ist ihre Voraussetzung.
II.Das Muster kündigt nicht
Verhaltenstrainings wirken. Zwei Wochen lang, manchmal zwei Monate. Dann steigt der Druck — die Deadline, der Konflikt, die Kränkung — und das alte Muster ist wieder da, als hätte es im Nebenzimmer gewartet. Das ist weder ein Versagen des Klienten noch eines des Trainers: Es ist Regression, und Regression ist stärker als jedes Seminar. Unter Belastung greifen Menschen nicht auf das zurück, was sie zuletzt gelernt haben, sondern auf das, was sich am längsten bewährt hat — auf die Lösung, die sie schon einmal durch eine schwierige Zeit getragen hat, und sei sie noch so teuer geworden.
Deshalb scheitert der Transfer so zuverlässig am Ernstfall: Das Training erreicht das Verhalten, aber nicht den Grund, aus dem das Verhalten einmal nötig war. Muster kündigen nicht. Sie lassen sich nur verstehen — und dann, mit der Zeit, in den Ruhestand verabschieden. Wer begreift, wofür seine alte Lösung gut war, muss nicht mehr gegen sie kämpfen; er braucht sie schlicht seltener.
III.Übertragung im Chefbüro
Niemand reagiert auf Autorität neutral. Wer führt, führt deshalb nie nur die realen Menschen im Raum, sondern immer auch deren mitgebrachte innere Figuren: den Vater, dem nichts genügte, die Mutter, die keinen Streit ertrug, den Lehrer, der vorführte. Und er wird umgekehrt selbst geführt — von den eigenen. Die Psychoanalyse nennt das Übertragung, und im Führungsalltag ist sie keine exotische Ausnahme, sondern der Normalbetrieb: Sie erklärt, warum dieselbe sachliche Rückmeldung den einen Mitarbeiter erreicht und den anderen vernichtet, und warum manche Konflikte sich anfühlen, als wären sie älter als die Firma.
Sie sind es nämlich. Wer seine eigene Übertragungslage kennt — welche Rollen er anzieht, welche er austeilt —, gewinnt einen unspektakulären, aber erheblichen Vorteil: Er kann Rollen ablehnen, die ihm zugeschoben werden, Retter, Rivale, strenges Elternteil, und stattdessen bei der Aufgabe bleiben. Das ist keine Menschenkenntnis im Ratgeber-Sinn. Es ist Handwerk, und es ist lernbar.
IV.Lob des Zögerns
Der Markt behandelt Entschlossenheit als Tugend an sich: Entscheider entscheiden, alles andere ist Schwäche. Aber das Zögern weiß manchmal mehr als der Entschluss. Wer eine Entscheidung seit Wochen vor sich herschiebt, obwohl alle Argumente längst auf dem Tisch liegen, hat kein Informationsproblem — er hat einen Einwand, der noch keine Sprache gefunden hat. Irgendetwas in ihm stimmt nicht zu, und es hat möglicherweise gute Gründe.
Man kann diesen Einwand übertönen: eine Deadline setzen, eine Münze werfen, „einfach machen“. Und sich anschließend wundern, warum die Umsetzung stockt, sabotiert von einem selbst. Oder man befragt ihn — wovor schützt mich das Aufschieben, was verliere ich mit jeder der beiden Optionen, wessen Stimme spricht in dem Zögern eigentlich? Entscheidungsstärke ist nicht die Abwesenheit von Zögern. Sie ist das Ergebnis eines Zögerns, das ernst genommen wurde.
V.Warum ausgerechnet ein Analytiker
Der Einwand liegt nahe: Psychoanalyse — ist das nicht zu langsam für die Wirtschaft? Nur bezieht er seine Kraft aus einer Verwechslung. Die Langsamkeit ist keine Schwäche der Methode; sie ist eine Eigenschaft der Probleme, für die sie gebaut wurde. Alles Schnelle ist im Markt hervorragend versorgt: Wissen gibt es in Büchern, Werkzeuge in Trainings, Feedback in jedem 360-Grad-Verfahren. Was übrig bleibt — die Wiederholung, die kein Training erreicht; die Entscheidung, die sich nicht fällen lässt; die Wirkung, die sich von der Absicht entkoppelt hat —, ist nicht deshalb langsam, weil die richtige Technik noch fehlt, sondern weil es sich gegen schnelle Lösungen bereits erfolgreich verteidigt hat.
Für genau diese Restklasse von Problemen ist psychoanalytisches Denken das präziseste verfügbare Instrumentarium. Dass ich als Analytiker coache, macht aus dem Coaching keine Therapie: Rahmen, Ziel und Umfang bleiben Coaching. Es heißt nur, dass ein anderes Ohr zuhört — eines, das dafür ausgebildet ist, im Gesagten das Ungesagte zu bemerken.
Kurz beantwortet
Was unterscheidet Coaching von Psychotherapie?
Gegenstand und Rahmen. Coaching arbeitet an Rollen, Entscheidungen und Entwicklung — bei Menschen ohne Erkrankung. Psychotherapie behandelt Störungen von Krankheitswert, in einem geschützten heilkundlichen Rahmen mit anderen Regeln. Die Grenze ist nicht immer offensichtlich; deshalb kläre ich sie im Vorgespräch aktiv, und ich halte sie auch dann, wenn es unbequem ist.
Warum ausgerechnet ein Psychoanalytiker?
Weil die meisten Führungsprobleme keine Wissens-, sondern Beziehungs- und Musterprobleme sind. Verhaltenstrainings wirken — bis der Druck steigt; dann übernimmt wieder das alte Muster. Psychodynamisches Coaching setzt eine Ebene tiefer an: bei den Motiven und Beziehungsmustern, die das Verhalten erzeugen. Das dauert nicht zwingend länger, es setzt nur woanders an.
Wie schnell zeigt sich etwas?
Ehrlich: Erste Entlastung entsteht oft schon nach wenigen Sitzungen — weil endlich jemand die richtigen Fragen stellt. Belastbare Veränderung braucht den Prozess, typischerweise sechs bis zehn Termine. Durchbrüche in zwei Stunden verkaufe ich nicht.
Geht das auch online — und auf Englisch?
Beides ja. Präsenz in München-Schwabing, Video nach Vereinbarung; Deutsch und Englisch gleichwertig.
Was erfährt mein Arbeitgeber?
Dass Termine stattfinden — sonst nichts. Inhalte bleiben zwischen uns, auch bei Firmenzahlung. Das ist Bestandteil des Vertrags (Dreieckskontrakt) und nicht verhandelbar.
Klar und einfach
Termine ausschließlich telefonisch: 089 / 2031 5671